Saturday, January 11, 2014

Blogchallenge - "Disco"

Bei diesem Thema hatte ich sofort den Song "The last days of disco" von Robbie Williams im Kopf, ein Song, den ich übrigens auch sehr gerne mag.
Aber ich soll ja nicht über Robbie Williams schreiben, sondern über "Disco". ;)

Für die Disco war ich nie besonders zu haben. Zu viele Leute, zu stickig, zu laut. Das mag eine seltsame Einstellung für eine Jugendliche/Frau sein, war aber halt so. Partys, Pubs oder Bars waren mir schon immer lieber.
Dazu kam, dass ich einen etwas "altmodischen" Musikgeschmack habe und in Discos nur äußerst selten die Musik gespielt wurde, die ich mag.

Trotzdem hatte auch ich eine Disco-Zeit und zwar im Alter von 20. Da war ich mit meinen Freunden am Freitagabend ab und zu im "Heaven". Das war eine Gothic-Disco, in die meine damalige beste Freundin gerne gegangen ist. Ich hatte mit Gothic zwar nix am Hut, aber was tut man nicht alles für seine beste Freundin.
Aufgefallen bin ich nicht, auch wenn ich kein Gothic war. Fürs Heaven hatte ich ein langes schwarzes Kleid, das war mein Standard-Outfit. Und weil ich damals - dank Billy Idol - eine Vorliebe für Kreuze hatte, hatte ich ein mörderisch großes Kruzifix um den Hals hängen. Et voilá.

Im "Heaven" kam man sich manchmal vor wie auf dem geheimen Zusammentreffen eines Vampir-Clans. Wer weiß, vielleicht war der eine oder andere sogar einer. ;)
Überall schwarz gekleidete Menschen, die Frauen in Miedern oder barockähnlichen Kleidern, viel Tüll und Spitze, Handschuhe, Schmuck mit Totenköpfen, lange Haare (bei den Kerlen und den Frauen) usw.
Meistens stumm in der Gegend umher stehend, die Leute beobachtend, mit finsterem Gesichtausdruck am Vodka Kirsch nippend (weil der im Licht aussah wie Blut) und über die Schlechtigkeit der Menschen und den Untergang der Kunst diskutierend. Und mittendrin ich.
Ich stand bei meinen Freunden, beobachtete die Leute, wie sie die Leute beobachteten, nippte an meinem Vodka Kirsch (das Zeug war gut!) und lauschte den Gesprächen über die Schlechtigkeit der Menschen. Angesprochen wurde man als Frau kaum. Das "Heaven" war ein Treffpunkt für Einzelgänger und so kam man gerne alleine oder in der Gruppe und man ging auch alleine oder in der Gruppe. Für Partnersuche war diese Disco denkbar schlecht geeignet und selbst wenn, musste man ellenlange Gespräche über die Schlechtigkeit der Menschen oder den Untergang der Kunst ertragen. Oder wie schwer es sein kann, einen Sarg zum Schlafen zu erwerben, wenn das Beerdigungsunternehmen diese "neumodischen Jugendbewegung nicht unterstützen" will. Abgesehen davon, dass die Dinger beschissen teuer sind.
Ich weiß, das klingt wie ein Klischee.
Das "Heaven" war ein Klischee. Ein Klischee mit Dach, Tanzfläche und Nebelmaschine. Einer Bar, in der Vodka Kirsch das am meisten verkaufteste Getränk war. Mit Musik von Marilyn Manson und The Cure.

Aber wir hatten unseren Spaß. Manchmal musste mein bester Freund mich über seinem Rücken zum Auto tragen, weil selbst Vodka Kirsch irgendwann betrunken macht.
Und wenn wir dann im Auto saßen, stellten wir fest, dass die Menschhheit schlecht und die Kunst dem Untergang geweiht war. Aber es war uns egal.
Wir hatten ja uns.

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