Sunday, November 24, 2013

Viele Fragen

Nach einem super Kinoabend, dem Austausch aller Neuigkeiten mit Damian, ist heute der Tag, an dem ich zur Ruhe komme und diese Woche reflektiere. Sie war zäh, sie war anstrengend (physisch und psychisch), sie hat mich gefordert... und überfordert.
Ich habe eine ganze Palette von Emotionen durchlebt - Anspannung, Entspannung, Angst, Freude, Wut, Hilflosigkeit -, viele Eindrücke gesammelt und bin auf viele Fragen gestoßen.
Nein. Das hier war keine Woche wie jede andere. Sie hat etwas verändert. Zumindest glaube ich das.

Die Fragen, auf die ich gestoßen bin, sind grundsätzlich immer die gleichen. Ich trage sie seit Jahren mit mir herum und finde keine Antworten.
Mal steht eine mehr im Vordergrund und eine andere mehr im Hintergrund, aber grundsätzlich sind sie immer da. Dass sie sich in dieser Woche plötzlich alle durch den Tunnel meines Unterbewusstseins drängten, war irritierend.

Will ich gesund werden?
Diese Frage tauchte auf, als ich von meinem eventuell zukünftigen Therapeuten erfahren habe.
Am Dienstag ist mein erster Termin, unser Kennlerngespräch. Das wird darüber entscheiden, ob die Therapie stattfindet... oder nicht. Wenn mein eventuell zukünftiger Therapeut zu mir keinen Zugang findet, wird das unser erstes und letztes Treffen sein.
Ich habe Angst vor beiden Möglichkeiten.
Was passiert, wenn die Therapie nicht stattfindet?
Was passiert, wenn sie stattfindet?
Was passiert, wenn ich gesund werde?

Ich bin jemand, der sich über seinen Job definiert. Wenn mir mein Job kein Interesse und keine Anerkennung einbringt (so wie zur Zeit), bleibt mir - brutal ausgedrückt - immer noch eine Krankheit namens "Angststörung", die mir Aufmerksamkeit sichert.
Aufmerksamkeit von Schatzi, Aufmerksamkeit von Mom, Aufmerksamkeit von Damian...

Wäre es möglich, dass ich diese Krankheit unbewusst brauche?
Wenn ich gesund werde, wenn ich gesund wäre - wer würde sich dann in diesem Maß für mich interessieren?

Sich mit diesen Fragen auseinander zu setzen, ist hart. Ich habe dabei einige Tränen vergossen.

Ach ja, mein Job... Wohin des Weges?
Diese Frage tauchte auf, als ich am Dienstag einen beschissenen Tag hatte. (Der Mittwoch war auch nicht besser).

Es sind noch genau 23 Arbeitstage bis zum 30. Dezember. An diesem Tag endet bisher offiziell unser Zeitarbeitseinsatz.
Kollegin Immer-Schlecht-Gelaunt und ich hoffen darauf, dass er bloß nicht verlängert wird! Nein, am 30. Dezember wollen wir uns verabschieden und gehen - auf Nimmerwiedersehen. Und das spätestens um 13.30 Uhr!

Aber dann stellt sich die Frage: Wohin jetzt?
Wahrscheinlich werde ich für eine Weile arbeitslos sein, im Auftrag des A-Amtes Bewerbungen schreiben als Arzthelferin (weil das mein gelernter Beruf ist) und jedes Mal eine Absage bekommen (weil ich - dank Zeitarbeitseinsätzen - seit 8 Jahren nicht mehr in diesem Beruf gearbeitet habe), bis mir das A-Amt einen Vermittlungsvorschlag schickt für eine Zeitarbeitsfirma, die mich in ein befristetes Arbeitsverhältnis vermittelt und mir nach dessen Ablauf kündigt und das Ganze wieder von vorne los geht.
Dieser Kreislauf wiederholt sich bei mir seit mittlerweile drei Jahren. Und so soll meine Zukunft aussehen?

Vergesst bitte eine Umschulung durch das A-Amt.
Ich frage dort jedes Mal danach und bekomme jedes Mal diesselbe Antwort: Ich bin kein Härtefall - weil ich immer wieder einen Job finde. Bei einer Zeitarbeitsfirma. In einem befristeten Arbeitsverhältnis.
Aber natürlich steht es mir frei, in Eigenbemühung eine neue Ausbildung zu beginnen. Schade nur, dass ich schon Mitte 30 bin...

Selbst wenn ich eine neue Ausbildung beginnen wollte - ich habe keine Ahnung als was. Ich stehe gerade in einer dicken Nebelsuppe und habe keinen Kompass. Aber auch kein Ziel. Und jetzt?

Puh, ich denke, für diesen Eintrag ist es genug. Mir dröhnt gerade der Kopf.

5 comments:

Ashmodiel said...

Die Frage "Willst du vielleicht gar nicht gesund werden" finde ich immer absolut zum Kotzen.

Feona Malea said...

Wenn Du dich über deinen Beruf definierst und dann noch meinst, man würde dir nur Aufmerksamkeit zollen, wegen deiner Angststörung ... dann darf ich dir in den Hintern treten, ja?

Zunächst einmal kann deine Krankheit und vor allem die Therapie beim richtigen (!) Therapeuten dir helfen, dass Du dir vielleicht mal bewußt wirst - wer DU eigentlich bist.

Wenn Du das für dich mal weißt, dass müsstest du dich nicht über einen Beruf definieren.

Die Angstzustände haben Ursachen - ist bei mir ja auch so. Für manche Leute mag das total lächerlich klingen - aber es gibt eben Dinge, die uns Angst machen und uns dann hindern, am Alltag richtig teilzunehmen.

Mir stellt sich nicht die Frage: Möchte ich wirklich gesund werden?

Sicher will ich das und ich bin mir sicher DU willst es auch.

Mir stellt sich bei Dir eher die Frage:
"Nimmst du deine Krankheit ernst und gibst du dir auch die Zeit, die wirklich notwendig ist, dich damit richtig auseinander zu setzen und zu heilen?"

Tine said...

Ash, die Frage ist auch zum Kotzen.
Allerdings wurde sie mir nie von jemand anderem gestellt, nur von mir selbst. Daher kann ich niemandem einen Vorwurf machen.

Tine said...

Feona, ja, du darfst mir in den Hintern treten.

Diese Fragen sind nun mal hochgestiegen und ich fand es wichtig, mich damit auseinander zu setzen. Du sagst selbst: Heilung ist ein schmerzhafter Prozeß.
Und ich bin mir absolut sicher, dass diese Fragen nicht ohne Grund auftauchen.

Richtig, ich habe keine Ahnung, wer ICH bin.
Ich komme mir vor wie ein Puzzle mit 1000 Teilen, aber es wird nichts Ganzes daraus.
Vielleicht kann die Therapie hier helfen, vielleicht auch nicht.

Dass ich mich über meinen Job definiere, find ich normal.
Jeder in meiner Familie, von meinen Großeltern, über meine Eltern, über meine Geschwister, tut das.
Das wurde mir seit frühester Kindheit so anerzogen und ist jetzt nun mal so.

Ich glaube, dass ich meine Krankheit ernst nehme. Sonst würde ich es nicht mit der Therapie versuchen.
Wie viel Zeit ich brauchen werde, kann ich allerdings nicht sagen.

athena said...

Die Frage stellte sich bei mir im Nachhinein als interessanter heraus, als ich zu Anfang vermutet habe... Denn ich habe mich anscheinend auch die letzten 12 Jahre über meinen Job definiert... Was dazu führte dass ich in diesem Jahr erstmal herausfinden musste wer ich überhaupt wirklich noch bin - und was ich will.
War gut so ;) Viel Glück für Deinen Weg und Alles Liebe!