Monday, February 21, 2011

Rückblicke

Bevor der Februar plötzlich vorbei ist und ich gar nichts geschrieben habe, gibt's heute einen Bericht zur Lage.

Heute Morgen gegen 9.00 Uhr war ich wegen meinem Magen-Darm-Infekt beim Doc, um ein... ähm... Pröbchen abzugeben.
Außerdem hab ich mir Blut abnehmen lassen zur Überprüfung
der Eisenwerte etc.
Danach war mir noch übler als ohnehin schon und ich hatte bereits genug von diesem Tag.

Wieder zuhause, rief ich Mama an und sagte, dass ich heute daheim bleiben würde. Alleine.
"Kommst du klar?" fragte sie.
"Natürlich komm ich klar", antwortete ich.
Und natürlich kam ich nicht klar. -.-

Ich schnappte mein Kopfkissen und meine Bettdecke und zog um ins Wohnzimmer auf's Sofa.
Dort lag ich dann, knabberte lustlos an einem trockenen Brötchen, trank Kamillentee, und ebenso wie mein Bauch blubberte und rumorte, blubberten und rumorten auch die Gedanken in meinem Kopf.
Je weiter ich zurückgehe, je mehr Erinnerungen aus der Vergangenheit aus dem Tiefen meines Unterbewusstseins aufsteigen, desto weniger ergibt alles für mich einen Sinn...
Im Moment sieht es so aus, als hätte ich mich selbst sabotiert... und zwar, seit ich denken kann...
Die Frage ist bloß: Warum?
Ich finde keine Antwort, kein Schlüsselerlebnis... gar nichts...

Meine Erinnerung geht zurück bis zum Alter von 6 Jahren.
Und schon da stoße ich auf Dinge, die irgendwie nicht zueinander passen wollen.
Ich hatte alle Voraussetzungen für eine glückliche Kindheit.
Voraussetzungen, die die Kinder heute zum größten Teil nicht mehr haben.
Dessen bin ich mir absolut bewusst und dafür bin ich meinen Eltern auch sehr dankbar.

Meine Eltern waren damals noch glücklich verheiratet.
Meine Mama musste nicht arbeiten gehen und hat sich den ganzen Tag um mich und meine Geschwister gekümmert.
Es war nicht so, dass sie von früh bis spät hinter uns her rannte. Dafür hatte sie viel zu viele eigene Hobbys (Gartenarbeit, Handarbeit, Malen, Fremdsprachen). Aber sie hatte einfach immer Zeit.
Zeit, um bei den Hausaufgaben zu helfen, zum Vorlesen, zum Spielen, um mit uns mit den Wasserfarben zu malen, um mit uns Kuchen und Kekse zu backen...
Und wenn ich mich für eins ihrer Hobbys interessierte, dann hat sie mich einfach mit einbezogen. Sie zeigte mir, wie man Perlensterne auffädelt, kleine Figürchen aus Fimo formt und dass man mit Aqarellfarben ganz anders malt als mit Wasserfarben.

Meinen Papa sah ich während der Woche weniger. Nachdem wir morgens gemeinsam gefrühstückt hatten, fuhr er uns in die Schule und dann ins Büro. Ich schätze, Papa arbeitete locker 50 Stunden in der Woche.
Manchmal war er auch auf Geschäftsreise für 1 - 2 Wochen.
Wenn Papa abends nach Hause kam, warteten mein kleiner Bruder und ich schon sehnsüchtig im Flur auf ihn, um uns dann gleich auf ihn zu stürzen. "Hilfe!" rief Papa jedes Mal und lachte. "Ihr werft mich ja noch um!" Dann nahm er mich auf den einen Arm und meinen kleinen Bruder auf den anderen Arm und gab uns einen dicken Kuss.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sein Schnurbart kratzte und sein Rasierwasser roch... Hach ja...
Am Wochenende war dann "Papa-Zeit". Er nahm uns mit zum Einkaufen oder in die Waschanlage oder wir machten Tagesausflüge, z. B. auf Flohmärkte in Frankreich.
Gerade von den Flohmärkten habe ich den einen oder anderen kleinen Schatz mit nach Hause geschleppt. :)
Aber da ich meistens ausgesprochen grob und achtlos mit meinen Besitztümern umging, ging vieles im Laufe der Jahre zu Bruch oder ich hatte es schlicht und ergreifend verloren. Heute denke ich mir: Moah! :(

Ich war schon als Kind extrem unordentlich.
Mama hatte sich die größte Mühe gegeben und ein liebevolles Zuhause eingerichtet. Alles war aufeinander abgestimmt - so schön, so geschmackvoll, so ordentlich. Wie in einem Schloss, dachte ich als Kind.
Aber in meinem Zimmer herrschten Chaos und Anarchie. Je öfter und ungeduldiger meine Eltern mich zum Aufräumen aufforderten, desto schlimmer wurde es. Es war das erste große Streitthema zwischen uns. Ein Machtkampf, den meine Eltern verloren. Mein Zimmer stand in diesem Haus wie ein dickes rotes Ausrufezeichen.
Und noch heute steht meine Wohnung wie ein dickes rotes Ausrufezeichen inmitten der Häuser und Wohnungen von dem Rest meiner Familie.
Ich war schon erwachsen, als Mama mir eine Frage stellte, auf die ich bis zum heutigen Tag keine Antwort weiß.
Sie fragte: "Was bringt dich dazu, zu glauben, dass du kein schönes Zuhause und keine schönen Dinge verdient hast? Was habe ich falsch gemacht?" Es war pure Verzweiflung, die aus ihr sprach.
Ich hab geweint und ihr geantwortet, sie hätte nichts falsch gemacht.
Und in der Tat kann ich mich an nichts erinnern, was sie falsch gemacht haben sollte.

Meine Geschwister und ich - wir wurden nicht überbehütet, wir wurden nicht vernachlässigt, wir wurden nicht misshandelt.
Wir lebten in einem großen Haus mit einem großen Garten.
Wir wohnten in einer verkehrsberuhigten Zone und waren mit allen Nachbarskindern befreundet. Zusammen durchstreiften wir die gesamte Umgebung. Wir kletterten auf Bäume, machten Fahrradtouren, spielten Federball usw. Im Winter sausten wir mit unseren Schlitten den Hügel hinunter und bauten Schneemänner.
Und in den Sommerferien fuhren Mama und Papa jedes Jahr für drei Wochen mit uns in Urlaub.
Das klingt doch super, oder?

Und trotzdem legte ich Verhaltensweisen an den Tag, mit denen ich mich selbst blockierte.
Und jetzt - so viele Jahre später - stelle ich mir die gleiche Frage, die sich meine Eltern seit Beginn meiner Schulzeit gestellt haben. Die Frage nach dem: Warum?
War das nur Rebellion?
Mama hat eine andere Theorie. Sie sagte mir mal (auch da war ich schon erwachsen): "Seit ich dich kenne, versuchst du, dich selbst zu zerstören. Deinen Körper, deine Seele, alles, was dich ausmacht und sogar deine Existenz. Und ich weiß nicht, warum."

Irgendwas sagt mir, dass ich an dieser Stelle aufhören soll. Der Eintrag hat mich ziemlich viel Kraft gekostet.
Also schmeiße ich jetzt den Wasserkocher an für eine neue Runde Kamillentee...

2 comments:

Ashmodai said...

Das wäre ein guter Ansatz für eine Therapie und schon mal ein sehr guter Anfang!

Wie geht es dir denn jetzt?

Feona Malea said...

PS: Das oben war ich gewesen ... am falschen Rechner gesessen